Bürokratie kostet die deutsche Wirtschaft bis zu 60 Millionen Arbeitstage pro Jahr
90 Prozent der Kleinunternehmen und Selbstständigen fühlen sich von der Politik alleingelassen
Berlin, 18. Mai 2026: Nur etwa die Hälfte der Kleinunternehmen und Selbstständigen in Deutschland könnte ihre laufenden Kosten bei ausbleibenden Einnahmen mehr als drei Monate lang decken. Das ist eines der Kernergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Businessmanagement-Plattform Tide unter 1.000 Entscheiderinnen und Entscheidern in Kleinunternehmen mit weniger als 50 Angestellten sowie Selbstständigen in Deutschland. Gleichzeitig bindet Bürokratie erhebliche Kapazitäten: 40 Prozent der Befragten verbringen mindestens sechs Stunden pro Woche, also nahezu einen ganzen Arbeitstag, mit Verwaltungsaufgaben.
Anna Fromme-Schoen, Geschäftsführerin Deutschland bei Tide: „Vorausschauendes Liquiditätsmanagement ist für Kleinunternehmen ein entscheidendes Thema. Wenn finanzielle Puffer nur wenige Monate reichen, können selbst kleinere Störungen unmittelbare Folgen haben. Es geht also nicht nur um Kredite, sondern um einen Gesamtblick und demnach um Tools, die diesen ermöglichen.“
Viele Unternehmen ohne ausreichende finanzielle Puffer
Die finanzielle Widerstandsfähigkeit vieler Betriebe bleibt begrenzt. Rund 50 Prozent der befragten Kleinunternehmen geben an, ihre laufenden Kosten bei wegfallenden Einnahmen maximal drei Monate decken zu können. Jeder dritte Betrieb erlebt gelegentlich finanzielle Engpässe.
Zudem zeigen die Ergebnisse Schwächen im Finanzmanagement: 41 Prozent der Unternehmen verfügen entweder über keine überschüssige Liquidität oder haben keine klare Struktur für die Verwaltung ihrer finanziellen Rücklagen.
Wo Reserven vorhanden sind, liegen diese meist verteilt auf Geschäftskonten, Tagesgeld oder Wertpapieren – häufig jedoch ohne systematischen Ansatz.
Auffällig sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 53 Prozent der Unternehmerinnen geben an, keine Rücklagen oder kein strukturiertes Finanzmanagement zu haben bzw. konnten keine Angaben machen. Bei Männern liegt der Anteil bei 35 Prozent.
Steigende Kosten und Frust über die Politik
Knapp die Hälfte der Befragten nennt steigende Energiepreise als eine der größten Belastungen für das eigene Unternehmen. Rund ein Viertel sieht zudem die schwache Nachfrage sowie mangelnde Planungssicherheit als zentrale Herausforderungen.
Gleichzeitig offenbart die Umfrage eine starke Entfremdung zwischen Selbstständigen und der Politik: Rund 90 Prozent der Befragten fühlen sich von politischen Entscheidungsträgern allein gelassen. Ein noch höherer Anteil (91 Prozent) ist der Meinung, dass kleine Unternehmen weniger Anerkennung erfahren als große Konzerne.
Bürokratie und Bankprozesse kosten Zeit
Administrative Aufgaben nehmen einen erheblichen Teil der Arbeitszeit ein. Mehr als 40 Prozent der Befragten verbringen mindestens sechs Stunden pro Woche, also nahezu einen kompletten Arbeitstag, mit Finanzverwaltung und administrativen Prozessen.
Hochgerechnet auf die rund 3,87 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland entspricht das konservativ gerechnet mehr als neun Millionen Arbeitsstunden pro Woche beziehungsweise rund 60 Millionen Arbeitstagen pro Jahr.
Auch im Verhältnis zu ihrer Bank sehen viele Kleinunternehmen Verbesserungsbedarf:
78 Prozent halten Bankgebühren für zu hoch
71 Prozent sagen, Banken böten nicht ausreichend Unterstützung
53 Prozent empfinden Bankprozesse als zu zeitaufwendig
Fromme-Schoen: “Wir sehen nicht nur eine schwierige wirtschaftliche Phase, sondern ein strukturelles Missverhältnis zwischen der Realität kleiner Unternehmen und den bestehenden Finanz- und Verwaltungssystemen. Es braucht Lösungen, die Komplexität reduzieren und Unternehmerinnen und Unternehmern mehr Zeit für ihr eigentliches Geschäft verschaffen.“
Große Offenheit für digitale Lösungen
Trotz der Herausforderungen zeigen sich viele Unternehmen offen für Digitalisierung. Nur rund 20 Prozent der Befragten schließen den Einsatz von KI grundsätzlich aus.
Großes Potenzial sehen viele insbesondere bei der Automatisierung administrativer Aufgaben wie Buchhaltung, Steuerverwaltung oder Datenanalyse. Zudem wünschen sich 67 Prozent vollständig digitale und integrierte Lösungen für Finanz- und Verwaltungsprozesse.
Wunsch nach konkreter Entlastung
Die Umfrage zeigt zudem klar, welche Maßnahmen kleine Unternehmen priorisieren. Im Mittelpunkt stehen vor allem:
niedrigere Steuern und Abgaben (50 Prozent)
weniger Bürokratie (43 Prozent)
Senkung der Lohnnebenkosten (36 Prozent)
Die Ergebnisse machen deutlich: Kleine Unternehmen fordern weniger neue Förderprogramme als vielmehr spürbare langfristige Entlastung im unternehmerischen Alltag.
Über die Umfrage
Die Umfrage wurde vom 17. bis 31. März 2026 von Civey im Auftrag von Tide durchgeführt. Befragt wurden 1.000 Entscheiderinnen und Entscheider in kleinen Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten sowie Selbstständige in Deutschland.
Über Tide:
Seit dem Marktstart im Jahr 2017 hat sich Tide zur führenden Businessmanagement-Plattform in Großbritannien entwickelt. Tide unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, Zeit und Kosten im Geschäftsalltag zu sparen – mit Geschäftskonten sowie einer Vielzahl digitaler Lösungen rund um Banking und Unternehmensverwaltung. Dazu zählen unter anderem Rechnungsstellung, Buchhaltung und weitere praktische Services wie die Erstellung von Webseiten. In Großbritannien betreut Tide rund 800.000 Geschäftskunden und erreicht damit einen Marktanteil von etwa 14 Prozent. In Indien zählt das Unternehmen ebenfalls mehr als 800.000 Kunden. In Deutschland ist Tide seit Mai 2024 aktiv, in Frankreich seit September 2025. Tide wurde bereits dreimal in Folge als Great Place to Work ausgezeichnet. Zu den Investoren zählen unter anderem Anthemis, the Apax Digital Funds, Augmentum Fintech, Creandum, Salica Investments, Latitude, LocalGlobe, die SBI Group, Speedinvest und TPG. Weltweit beschäftigt Tide mehr als 2.800 Mitarbeitende. Langfristig verfolgt Tide das Ziel, die führende Businessmanagement-Plattform weltweit zu werden.
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