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Blog Versicherung & Schutz Welche Versicherungen für Selbstständige wichtig sind (und welche Pflicht)

Welche Versicherungen für Selbstständige wichtig sind (und welche Pflicht)

7 min. Lesezeit
20 Feb 2026
20 Feb 2026
7 min. Lesezeit

Wer selbstständig arbeitet, trägt die Verantwortung für die eigene Absicherung. Eine Krankenversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben, weitere Pflichten ergeben sich je nach Tätigkeit und Branche. Daneben gibt es freiwillige Absicherungen, die finanzielle Risiken im Geschäftsalltag reduzieren können.

Doch welche sind tatsächlich Pflicht – und welche lohnen sich zusätzlich?

In diesem Artikel erhalten Sie einen strukturierten Überblick über notwendige und optionale Versicherungen sowie Hinweise darauf, wie Sie Ihre individuellen Versicherungskosten realistisch kalkulieren können.

Gut zu wissen: Neben der richtigen Absicherung gehört auch eine saubere finanzielle Organisation zur Selbstständigkeit. Mit dem kostenlosen Geschäftskonto für Selbstständige von Tide trennen Sie private und geschäftliche Einnahmen und Ausgaben, behalten Fixkosten wie Versicherungsbeiträge im Blick und schaffen eine transparente Grundlage für Ihre Liquiditätsplanung.

Welche Versicherungen sind für Selbstständige Pflicht?

Der erste Schritt bei der Absicherung als Selbstständige ist die Klärung der gesetzlichen Vorgaben. Bestimmte Versicherungen sind verpflichtend und bilden die Grundlage Ihrer unternehmerischen Tätigkeit.

➡️ Kranken- und Pflegeversicherung

Für Selbstständige gilt in Deutschland die allgemeine Krankenversicherungspflicht. Mit der Krankenversicherung ist automatisch auch die Pflegeversicherung verbunden.

Bei Aufnahme der Selbstständigkeit müssen Sie Ihre Krankenkasse über den Statuswechsel informieren. Waren Sie zuvor gesetzlich versichert, werden Sie in der Regel freiwillig weitergeführt. Sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, können Sie alternativ in die private Krankenversicherung wechseln.

Der zentrale Unterschied zwischen gesetzlicher (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV) liegt in der Beitragsberechnung und im Leistungsumfang.

Gesetzlich oder privat versichert – welche Krankenversicherung ist für Selbstständige sinnvoll?

Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Private Krankenversicherung (PKV)

Beiträge richten sich nach dem Einkommen (bis zur Beitragsbemessungsgrenze)

Beiträge hängen vom Alter, Gesundheitszustand und Tarif ab – nicht vom Einkommen

Ehepartner*innen und Kinder können unter bestimmten Voraussetzungen beitragsfrei mitversichert werden

Individuell wählbarer Leistungsumfang

Leistungen sind gesetzlich geregelt

Häufig günstigere Einstiegsbeiträge für junge, gesunde Selbstständige

Beitragshöhe im Alter kann steigen

Welche Variante sinnvoll ist, hängt von Ihrer Einkommenssituation, Ihrer Familienplanung und Ihrer langfristigen finanziellen Strategie ab. Ein Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung ist grundsätzlich möglich – der Rückweg ist jedoch häufig eingeschränkt.

Gut zu wissen: In Deutschland sind rund 63 Prozent der Selbstständigen gesetzlich krankenversichert, etwa 37 Prozent privat. Beide Modelle sind unter Selbstständigen also weit verbreitet – die Entscheidung hängt stark von der individuellen Situation ab. (Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis))

➡️ Rentenversicherung (für bestimmte Berufsgruppen)

Nicht alle Selbstständigen sind automatisch von der gesetzlichen Rentenversicherung befreit. Für bestimmte Berufsgruppen besteht weiterhin eine Rentenversicherungspflicht – auch ohne Angestelltenstatus.

Dazu gehören unter anderem selbstständige Lehrkräfte und Dozent*innen, Pflegepersonen, Hebammen sowie bestimmte Handwerker*innen. Ob eine Pflicht besteht, hängt von der konkreten Tätigkeit und der Ausgestaltung Ihrer Selbstständigkeit ab.

Wer nicht rentenversicherungspflichtig ist, kann freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung leisten oder privat vorsorgen. Gerade für Selbstständige ohne verpflichtende Absicherung ist eine langfristige Altersvorsorge besonders wichtig.

Gut zu wissen: Ob für Sie eine Rentenversicherungspflicht besteht, prüft die Deutsche Rentenversicherung. Klären Sie dies möglichst frühzeitig – Beiträge können unter Umständen rückwirkend fällig werden.

➡️ Berufsgenossenschaft und gesetzliche Unfallversicherung

Je nach Branche kann für Selbstständige außerdem eine Pflicht zur Mitgliedschaft in einer Berufsgenossenschaft bestehen. Berufsgenossenschaften sind Träger der gesetzlichen Unfallversicherung und zuständig für Arbeitsunfälle sowie Berufskrankheiten.

Ob Sie beitragspflichtig sind, hängt von Ihrer Tätigkeit ab. Besonders im Handwerk, im Baugewerbe oder in anderen körperlich geprägten Berufen besteht häufig eine Pflichtmitgliedschaft – teilweise auch dann, wenn Sie keine Mitarbeitenden beschäftigen.

Die gesetzliche Unfallversicherung über die Berufsgenossenschaft ist von einer privaten Unfallversicherung zu unterscheiden. Während die Berufsgenossenschaft arbeitsbedingte Risiken absichert, greift eine private Unfallversicherung auch bei Unfällen im privaten Bereich.

Mehr zu den Unterschieden und zur Frage, wann welche Absicherung sinnvoll ist, erfahren Sie in unserem Artikel Berufsgenossenschaft vs. Unfallversicherung.

Welche zusätzlichen Versicherungen sind für Selbstständige sinnvoll?

Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Absicherungen gibt es weitere Versicherungen, die Ihre wirtschaftliche Existenz schützen können. Welche davon sinnvoll sind, hängt von Ihrem Geschäftsmodell, Ihrem Haftungsrisiko und Ihrer persönlichen Situation ab.

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Zusatzversicherungen im Überblick.

➡️ Betriebshaftpflichtversicherung

Die Betriebshaftpflichtversicherung schützt Sie, wenn durch Ihre berufliche Tätigkeit Personen- oder Sachschäden entstehen. Verletzt sich beispielsweise eine Kundin oder ein Kunde in Ihren Geschäftsräumen oder entsteht bei einem Auftrag ein Schaden, übernimmt die Versicherung berechtigte Schadensersatzforderungen.

Für Handwerksbetriebe, Dienstleister*innen mit Kundenkontakt oder Gewerbetreibende ist sie häufig eine der wichtigsten Absicherungen.

➡️ Berufshaftpflicht / Vermögensschadenhaftpflicht

Diese Versicherung ist vor allem für beratende oder kreative Tätigkeiten relevant. Sie greift, wenn durch eine Fehlberatung oder einen beruflichen Fehler ein finanzieller Schaden entsteht.

Typische Beispiele sind IT-Dienstleister*innen, Unternehmensberater*innen, Marketingagenturen oder Coaches. Hier können bereits kleine Fehler zu hohen Forderungen führen.

➡️ Berufsunfähigkeitsversicherung

Selbstständige haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Wer aufgrund von Krankheit oder Unfall dauerhaft nicht mehr arbeiten kann, verliert unter Umständen sein Einkommen vollständig.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sichert in diesem Fall eine monatliche Rente ab und schützt damit Ihre persönliche Existenzgrundlage.

➡️ Rechtsschutzversicherung

Rechtsstreitigkeiten mit Kund*innen, Lieferant*innen oder Vertragspartner*innen können teuer werden. Eine gewerbliche Rechtsschutzversicherung übernimmt – je nach Tarif – Anwalts- und Gerichtskosten.

Besonders für Selbstständige mit vielen Vertragsbeziehungen kann sie eine sinnvolle Ergänzung sein.

➡️ Branchenspezifische Versicherungen

Je nach Tätigkeit können weitere Versicherungen sinnvoll oder sogar faktisch notwendig sein. Beispiele sind:

  • Produkthaftpflichtversicherung im E-Commerce

  • Cyberversicherung bei digitalem Geschäftsmodell

  • Inhaltsversicherung für Büroausstattung oder Warenbestand

  • Maschinenversicherung im Handwerk

Welche Absicherung für Sie relevant ist, hängt stark von Ihrem individuellen Risikoprofil ab.

Welche Versicherungen sind für Ihre Tätigkeit besonders relevant? 

Die zuvor genannten Versicherungen sind nicht für jede selbstständige Tätigkeit gleichermaßen relevant. Je nach Geschäftsmodell, Branche und Risikoprofil unterscheiden sich die Versicherungsbedarfe deutlich.

Die folgenden Beispiele helfen Ihnen dabei, typische Risiken einzuordnen und Prioritäten für Ihre individuelle Versicherungsstrategie abzuleiten. Sie dienen als Orientierung – Ihre konkrete Absicherung hängt immer von Ihrer persönlichen Situation ab.

➡️ IT-Dienstleister*innen, Berater*innen und Agenturen

In beratenden oder digitalen Tätigkeiten entstehen Schäden häufig nicht durch Sachschäden, sondern durch Fehlberatung, Projektverzögerungen oder Datenverluste. Schon kleine Fehler können hohe finanzielle Forderungen nach sich ziehen.

Häufig relevante Versicherungen:

  • Berufshaftpflicht / Vermögensschadenhaftpflicht

  • Cyberversicherung

  • Berufsunfähigkeitsversicherung

Das Haftungsrisiko liegt hier vor allem im finanziellen Bereich. Eine ausreichende Deckungssumme ist daher besonders wichtig.

➡️ Handwerk und körperliche Tätigkeiten

Wer handwerklich oder körperlich arbeitet, trägt ein erhöhtes Risiko für Personen- und Sachschäden sowie Arbeitsunfälle. Schäden können schnell hohe Kosten verursachen.

Häufig relevante Versicherungen:

  • Betriebshaftpflichtversicherung

  • Berufsgenossenschaft

  • Berufsunfähigkeitsversicherung

  • ggf. Maschinen- oder Inhaltsversicherung

In diesen Branchen steht die Absicherung gegen Haftungsansprüche im Vordergrund – ergänzt um Schutz bei Arbeitsunfähigkeit.

➡️ E-Commerce und Handel

Im Onlinehandel und stationären Verkauf spielen Produkthaftung, Transportschäden und Cyberrisiken eine zentrale Rolle. Auch Schäden am Warenbestand können existenzielle Auswirkungen haben.

Häufig relevante Versicherungen:

  • Produkthaftpflichtversicherung

  • Betriebshaftpflichtversicherung

  • Cyberversicherung

  • Inhaltsversicherung (z. B. Warenbestand)

Hier ist es wichtig, sowohl Haftungs- als auch Vermögensrisiken im Blick zu behalten.

➡️ Kreative und Solo-Selbstständige

Kreative und freiberuflich Tätige tragen häufig ein geringeres Sachschadenrisiko, sind jedoch stark von ihrer eigenen Arbeitsfähigkeit abhängig. Gleichzeitig können Projektfehler zu finanziellen Forderungen führen.

Häufig relevante Versicherungen:

  • Berufshaftpflicht

  • Berufsunfähigkeitsversicherung

  • Rechtsschutzversicherung

Die persönliche Absicherung gegen Einkommensausfall spielt in diesen Fällen oft eine zentrale Rolle.

So lassen sich Versicherungskosten für Selbstständige realistisch kalkulieren

Nachdem Sie geprüft haben, welche Versicherungen für Ihre Tätigkeit besonders relevant sind, können Sie Ihre voraussichtlichen Gesamtkosten realistischer einschätzen. Entscheidend ist dabei nicht nur der einzelne Beitrag, sondern die Summe aller regelmäßig anfallenden Versicherungsbeiträge.

Anstatt mit pauschalen Durchschnittswerten zu rechnen, empfiehlt es sich, Ihre individuelle Situation Schritt für Schritt zu analysieren.

So gehen Sie vor:

1️⃣ Voraussichtliches Einkommen festlegen

Schätzen Sie Ihren erwarteten Jahresgewinn möglichst realistisch ein. Gerade in der Gründungsphase kann es sinnvoll sein, sowohl ein konservatives als auch ein optimistisches Szenario durchzurechnen.

2️⃣ Krankenversicherung grob kalkulieren 

Nutzen Sie Beitragsrechner von Krankenkassen, privaten Anbieter*innen oder unabhängige Vergleichsportale, um auf Basis Ihres Einkommens eine erste Beitragsspanne zu ermitteln – sowohl für die gesetzliche als auch für die private Krankenversicherung.

3️⃣ Haftungsrisiken berücksichtigen

Prüfen Sie, welche Deckungssummen für Ihre Betriebs- oder Berufshaftpflicht angemessen sind. Branche, Umsatz und Vertragsvolumen beeinflussen die Beitragshöhe maßgeblich.

4️⃣ Persönliche Absicherung einbeziehen

Wenn Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder Rechtsschutzversicherung planen, kalkulieren Sie auch diese Beiträge als feste monatliche Position ein.

5️⃣ Angebote vergleichen und als Fixkosten einplanen

Holen Sie für die wichtigsten Versicherungen mehrere Angebote ein und planen Sie die Summe als festen Posten in Ihr monatliches Budget ein.

Gut zu wissen: In der gesetzlichen Krankenversicherung werden Beiträge häufig zunächst auf Basis Ihres gesch��tzten Einkommens berechnet und später anhand des Steuerbescheids angepasst. Planen Sie daher eine kleine finanzielle Reserve ein, falls es zu Nachzahlungen kommt.

Fazit: Die richtige Absicherung als Teil Ihrer unternehmerischen Strategie

Die Absicherung von Selbstständigen lässt sich auf wenige zentrale Bausteine strukturieren: die gesetzliche Grundabsicherung (Kranken- und Pflegeversicherung sowie ggf. Rentenversicherung oder Berufsgenossenschaft), der Schutz vor Haftungsrisiken im Geschäftsalltag und die persönliche Absicherung gegen Einkommensausfall. Je nach Branche können zusätzliche Versicherungen sinnvoll sein.

Entscheidend ist nicht die Anzahl der Policen, sondern eine Absicherung, die zu Ihrem tatsächlichen Risiko und Ihrer finanziellen Situation passt. Wer diese Bausteine bewusst plant, schafft eine stabile Grundlage für langfristige unternehmerische Sicherheit.

Wie geht es weiter?

Wenn Sie sich einen Überblick über Ihre möglichen Versicherungen verschafft haben, geht es nun um die konkrete Umsetzung. Die folgenden Schritte helfen Ihnen dabei, strukturiert vorzugehen:

  • Halten Sie Ihren Versicherungsbedarf schriftlich fest. Notieren Sie, welche Pflichtversicherungen für Sie gelten und welche zusätzlichen Absicherungen Sie aufgrund Ihrer Tätigkeit priorisieren möchten.

  • Vergleichen Sie Angebote und prüfen Sie Deckungssummen. Holen Sie mehrere Angebote ein und achten Sie nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Leistungsumfang, Selbstbeteiligung und Vertragsbedingungen.

  • Integrieren Sie die Beiträge in Ihre Finanzplanung. Planen Sie Ihre Versicherungsbeiträge als feste monatliche Fixkosten ein und überprüfen Sie Ihre Absicherung regelmäßig – insbesondere bei steigenden Umsätzen oder veränderten Tätigkeiten.

So stellen Sie sicher, dass Ihre Absicherung nicht nur formal besteht, sondern langfristig zu Ihrer unternehmerischen Entwicklung passt.

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