Viele Selbständige und kleine Unternehmen stehen aktuell vor derselben Situation: Der Finanzierungsbedarf ist da, die Geschäftszahlen stimmen, doch der Kreditantrag scheitert an einem formalen Detail. Klassische Banken verlangen häufig einen vollständig abgeschlossenen Jahresabschluss, der in der Praxis oft noch nicht vorliegt – etwa weil Steuerberater*innen ausgelastet sind oder die Erstellung länger dauert als geplant.
Genau hier setzen digitale Kreditgeber*innen an. Sie bewerten Unternehmen anders als klassische Banken und ermöglichen unter bestimmten Voraussetzungen einen Firmenkredit ohne Bank.
In diesem Artikel erfahren Sie, was digitale Kreditgeber*innen sind, wie sie sich von klassischen Banken unterscheiden und wann diese Form der Finanzierung für Sie eine sinnvolle Option sein kann – insbesondere, wenn aktuelle Unterlagen wie BWA und SuSa vorliegen, der Jahresabschluss jedoch noch fehlt.
Gut zu wissen: Was sind BWA und SuSa?
BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung): Eine regelmäßige betriebswirtschaftliche Auswertung, die Umsätze, Kosten und das aktuelle Ergebnis eines Unternehmens abbildet. Sie gibt einen schnellen Überblick über die wirtschaftliche Lage.
SuSa (Summen- und Saldenliste): Eine Übersicht aller Konten mit ihren jeweiligen Salden. Sie liefert detaillierte Einblicke in die finanzielle Struktur und Liquidität eines Unternehmens.
Was sind digitale Kreditgeber*innen?
Digitale Kreditgeber*innen, häufig auch als Fintech-Kreditgeber*innen bezeichnet, sind Anbieter*innen von Firmenkrediten, die ohne klassische Bankstrukturen arbeiten. Sie vergeben Kredite über digitale Prozesse und bewerten Anträge mithilfe datenbasierter Prüfverfahren.
Im Unterschied zu traditionellen Banken liegt der Fokus weniger auf umfangreichen, historischen Unterlagen wie einem abgeschlossenen Jahresabschluss, sondern stärker auf der aktuellen wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens. Grundlage dafür sind laufende Finanzdaten und betriebswirtschaftliche Auswertungen, die ein realistisches Bild der gegenwärtigen Leistungsfähigkeit vermitteln.
Für Selbständige und kleine Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Kreditanträge lassen sich digital stellen und Entscheidungen basieren stärker auf aktuellen Zahlen als auf formalen Abschlüssen.
Digitale Kreditgeber*innen vs. klassische Banken: Wo liegt der Unterschied?
Auf den ersten Blick verfolgen digitale Kreditgeber*innen und klassische Banken dasselbe Ziel: Sie stellen Unternehmen Kapital zur Verfügung. In der Praxis unterscheiden sich ihre Ansätze jedoch deutlich. Entscheidend ist dabei weniger das Kreditprodukt selbst als die Art und Weise, wie Bonität geprüft und Kreditentscheidungen getroffen werden.
➡️ Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Bei klassischen Banken stehen häufig formale und historische Kriterien im Mittelpunkt. Dazu zählen unter anderem:
der zwingende Nachweis eines abgeschlossenen Jahresabschlusses
die Bewertung auf Basis vergangener Geschäftszahlen
umfangreiche Dokumentationsanforderungen
manuelle Prüfprozesse
längere Entscheidungswege
Digitale Kreditgeber*innen setzen dagegen stärker auf aktuelle Unternehmensdaten und digitale Prozesse, etwa durch:
den Fokus auf die aktuelle wirtschaftliche Situation
die Akzeptanz alternativer Unterlagen wie BWA und SuSa
schlanke, klar definierte Anforderungen
datenbasierte, automatisierte Prüfprozesse
schnellere Kreditentscheidungen
Diese Unterschiede entscheiden in der Praxis darüber, wie schnell und unter welchen Voraussetzungen Unternehmen Zugang zu einem Firmenkredit erhalten.
Warum ein Firmenkredit ohne Bank? Die Vorteile von digitalen Kreditgeber*innen
Digitale Kreditgeber*innen haben sich nicht etabliert, um klassische Banken zu ersetzen, sondern um dort anzusetzen, wo traditionelle Kreditprozesse an ihre Grenzen stoßen. Gerade für Selbständige und kleine Unternehmen ergeben sich daraus konkrete Vorteile.
Im Folgenden zeigen wir, welche das sind und was sie im Alltag bedeuten.
1️⃣ Firmenkredit für Selbständige und KMU mit BWA und SuSa statt Jahresabschluss
Stellen Sie sich vor, Sie möchten einen Firmenkredit beantragen. Ihr Unternehmen läuft stabil, die Umsätze sind planbar und der Finanzierungsbedarf ist klar definiert. Dennoch erhalten Sie von der Bank eine Absage, weil der Jahresabschluss noch nicht fertiggestellt ist. Nicht, weil die Zahlen schlecht sind, sondern weil formale Unterlagen fehlen.
Genau an diesem Punkt setzen digitale Kreditgeber*innen an. Anstelle eines abgeschlossenen Jahresabschlusses akzeptieren sie unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) sowie eine Summen- und Saldenliste (SuSa). Diese Unterlagen geben Einblick in die aktuelle wirtschaftliche Situation und ermöglichen eine fundierte Einschätzung, auch wenn der Jahresabschluss noch aussteht.
Für viele Selbständige und kleine Unternehmen bedeutet das: Der Zugang zu einem Firmenkredit hängt nicht allein vom Zeitplan der Steuerberatung ab. Aktuelle Unternehmenszahlen rücken stärker in den Fokus als administrative Verzögerungen.
2️⃣ Schnellere Kreditentscheidung und zügige Auszahlung
Finanzierungsentscheidungen sind oft zeitkritisch. Ob zur Überbrückung eines Liquiditätsengpasses oder zur Umsetzung eines geplanten nächsten Schritts: Lange Wartezeiten können zum echten Problem werden.
Digitale Kreditgeber*innen setzen auf vollständig digitale Antragsprozesse und automatisierte Prüfungen. Dadurch lassen sich Kreditanträge effizient bearbeiten, ohne mehrere persönliche Termine oder langwierige Rückfragen. Entscheidungen fallen in der Regel schneller als bei klassischen Banken, und auch die Auszahlung erfolgt zeitnah, sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind.
Für Unternehmen schafft das Planungssicherheit und reduziert die Unsicherheit in Phasen, in denen schnelle Entscheidungen gefragt sind.
3️⃣ Weniger Bürokratie, klar strukturierte Prozesse
Kreditprozesse gelten oft als komplex und schwer nachvollziehbar. Digitale Kreditgeber*innen verfolgen hier einen anderen Ansatz. Die Anforderungen sind klar definiert, die notwendigen Unterlagen transparent benannt und der gesamte Prozess ist digital abgebildet.
Stellen Sie sich vor, Sie wissen von Beginn an, welche Informationen benötigt werden, wie der nächste Schritt aussieht und wann mit einer Rückmeldung zu rechnen ist. Genau diese Transparenz empfinden viele Unternehmen als großen Vorteil. Weniger Bürokratie bedeutet in diesem Zusammenhang nicht weniger Prüfung, sondern effizientere Abläufe.
4️⃣ Finanzierungslösungen, die auf kleine Unternehmen zugeschnitten sind
Nicht jedes Unternehmen benötigt langfristige, umfangreiche Finanzierungsmodelle. Häufig geht es um überschaubare Beträge, klare Laufzeiten und einen konkreten Zweck, etwa die Sicherung der Liquidität oder die Finanzierung von Wachstumsschritten.
Digitale Kreditgeber*innen entwickeln ihre Angebote gezielt für die Bedürfnisse kleiner Unternehmen und Selbständiger. Die Finanzierungslösungen orientieren sich an der Unternehmensrealität, sind flexibel gestaltet und lassen sich an unterschiedliche Situationen anpassen.
So entsteht eine Form der Finanzierung, die nicht komplexer ist als nötig, aber genau dort ansetzt, wo sie gebraucht wird.
Kurz zusammengefasst: Digitale Kreditgeber*innen bieten vor allem dann Vorteile, wenn aktuelle Unternehmenszahlen, Flexibilität und Geschwindigkeit entscheidend sind.
Sind digitale Kreditgeber*innen für Sie die richtige Wahl?
Ein Firmenkredit ohne Bank ist nicht automatisch die beste Lösung für jedes Unternehmen. Ob digitale Kreditgeber*innen für Sie infrage kommen, hängt stark von Ihrer Ausgangssituation, Ihrem Finanzierungsziel und dem zeitlichen Rahmen ab.
Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, lohnt es sich, die eigenen Anforderungen realistisch einzuordnen.
➡️ Wann digitale Kreditgeber*innen besonders sinnvoll sein können
Digitale Kreditgeber*innen bieten vor allem dann Vorteile, wenn Flexibilität und Aktualität eine zentrale Rolle spielen. Das ist häufig der Fall, wenn ein Unternehmen wirtschaftlich stabil ist, formale Unterlagen jedoch noch nicht vollständig vorliegen.
Ein typisches Beispiel: Aktuelle BWAs und eine aussagekräftige SuSa sind vorhanden, der Jahresabschluss befindet sich noch in Arbeit. In solchen Fällen stoßen klassische Bankprozesse oft an ihre Grenzen, während digitale Kreditgeber*innen die aktuelle Situation bereits bewerten können.
Auch bei zeitkritischem Finanzierungsbedarf kann diese Form der Kreditvergabe sinnvoll sein – etwa zur Sicherung der Liquidität, zur Vorfinanzierung eines Auftrags oder um geplante Schritte nicht unnötig zu verzögern.
➡️ Wann andere Finanzierungsformen besser passen können
Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen digitale Kreditgeber*innen nicht die optimale Lösung sind. Das gilt zum Beispiel, wenn sehr hohe Kreditvolumina benötigt werden oder eine langfristige Finanzierung über viele Jahre im Fokus steht. In solchen Fällen können klassische Bankprodukte oder andere Finanzierungsformen besser geeignet sein.
Auch wenn der niedrigstmögliche Zinssatz oberste Priorität hat und ausreichend Zeit für umfangreiche Prüfprozesse vorhanden ist, kann der Weg über eine traditionelle Bank sinnvoll sein. Digitale Kreditgeber*innen sind vor allem auf Geschwindigkeit, Zugänglichkeit und Praxistauglichkeit ausgelegt, nicht auf jede denkbare Finanzierungssituation.
Entscheidend ist daher weniger die Frage, welcher Weg grundsätzlich besser ist, sondern welcher Ansatz zu Ihrer aktuellen Unternehmensrealität passt.
So funktioniert der Firmenkredit ohne klassische Bank
Ein Firmenkredit ohne klassische Bank folgt in der Regel einem klaren, digitalen Ablauf. Statt umfangreicher Papierprozesse steht eine strukturierte Prüfung auf Basis aktueller Unternehmensdaten im Mittelpunkt. Der Prozess lässt sich in wenige, gut nachvollziehbare Schritte unterteilen.
➡️ Schritt 1: Eigene Finanzierungssituation klären
Zu Beginn sollten Unternehmen ihre Ausgangslage realistisch einschätzen. Welche Finanzierung wird benötigt, wofür soll sie eingesetzt werden und in welchem Zeitraum? Ebenso wichtig ist die Frage, welche aktuellen Unterlagen vorliegen. Bei digitalen Kreditgeber*innen spielen insbesondere laufende Unternehmenszahlen eine zentrale Rolle, etwa in Form von BWA und SuSa.
➡️ Schritt 2: Kreditanfrage digital stellen und passende Optionen vergleichen
Die Kreditanfrage erfolgt vollständig online. Anstatt einzelne Anbieter*innen eigenständig vergleichen zu müssen, können Unternehmen über eine zentrale Kreditplattform wie Tide auf mehrere digitale Kreditgeber*innen zugreifen. So lassen sich für Ihr Unternehmen passende Firmenkreditoptionen zentral einsehen und vergleichen, während die benötigten Informationen strukturiert übermittelt werden und der Ablauf klar nachvollziehbar bleibt.
➡️ Schritt 3: Prüfung auf Basis aktueller Unternehmensdaten
Die Kreditprüfung erfolgt datenbasiert und konzentriert sich auf die aktuelle wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Digitale Kreditgeber*innen bewerten dabei nicht ausschließlich formale Abschlüsse, sondern beziehen laufende Kennzahlen in die Entscheidung ein.
➡️ Schritt 4: Entscheidung und Auszahlung
Sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind, erfolgt die Kreditentscheidung. Durch automatisierte Prozesse fallen Rückmeldungen häufig schneller aus als bei klassischen Banken. Auch die Auszahlung erfolgt zeitnah, meist innerhalb von 24 Stunden, sobald der Kreditvertrag abgeschlossen ist.
So läuft ein Firmenkredit ohne Bank ab: digital, strukturiert und mit minimalem Papieraufwand.
Fazit: Digitale Kreditgeber*innen als einfache und flexible Finanzierungsoption
Digitale Kreditgeber*innen ermöglichen Selbständigen und kleinen Unternehmen einen Firmenkredit, der stärker an der aktuellen Unternehmenssituation ausgerichtet ist als an formalen Abschlüssen. Das schafft Handlungsspielraum, wenn eine Finanzierung zeitnah benötigt wird oder klassische Bankprozesse nicht zur eigenen Situation passen.
Entscheidend ist, die eigene Ausgangslage realistisch einzuordnen und bewusst zu prüfen, welche Form der Finanzierung die aktuellen Anforderungen am besten unterstützt.
Wie geht es weiter?
Wenn Sie sich mit der Möglichkeit eines Firmenkredits ohne klassische Bank beschäftigen, kann ein strukturierter Überblick helfen, die eigenen Optionen einzuordnen. Die folgenden Schritte unterstützen Sie dabei:
Ausgangssituation reflektieren: Wofür wird Finanzierung benötigt, und wie zeitkritisch ist der Bedarf?
Unterlagen prüfen: Welche aktuellen Unternehmenszahlen liegen bereits vor, und wie aussagekräftig sind sie?
Anforderungen abwägen: Welche Rolle spielen Geschwindigkeit, Flexibilität und Planbarkeit für Ihre Entscheidung?
Optionen vergleichen: Verschaffen Sie sich einen Überblick über unterschiedliche Finanzierungswege und prüfen Sie, welche grundsätzlich zu Ihrer Situation passen.
So gewinnen Sie ein realistisches Bild Ihrer Möglichkeiten und können fundiert entscheiden, ob ein Firmenkredit ohne klassische Bank für Sie sinnvoll ist.