Der Schritt in die Selbstständigkeit beginnt oft mit einer einfachen Idee: ein eigenes kleines Unternehmen gründen und damit Geld verdienen. Für viele Gründer*innen ist ein Kleinunternehmen ein attraktiver Einstieg, weil der administrative Aufwand meist überschaubar bleibt und sich viele Geschäftsmodelle mit relativ geringem Startkapital umsetzen lassen.
Doch bevor Sie loslegen, sollten Sie einige grundlegende Fragen klären:
Was genau gilt eigentlich als Kleinunternehmen?
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Und welche Schritte sind notwendig, um ein Kleinunternehmen offiziell zu gründen?
In diesem Leitfaden erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie ein Kleinunternehmen gründen, welche Kosten entstehen können und was Sie bei Steuern und Buchhaltung beachten sollten.
Was genau ist ein Kleinunternehmen?
Der Begriff Kleinunternehmen wird im Alltag häufig verwendet, ist rechtlich jedoch nicht eindeutig definiert. In der Praxis beschreibt er meist ein kleines Unternehmen mit überschaubarem Umsatz und einer einfachen Organisationsstruktur – häufig geführt von einer einzelnen Person oder einem kleinen Team.
Wichtig zu wissen: „Kleinunternehmen“ ist keine eigene Rechtsform. Wer ein Kleinunternehmen gründet, entscheidet sich in der Regel für eine bestehende Rechtsform, zum Beispiel ein Einzelunternehmen, eine freiberufliche Tätigkeit oder, wenn mehrere Personen beteiligt sind, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR).
Viele Gründer*innen starten ihr Geschäft zunächst in kleinerem Rahmen. In der Anfangsphase sind die Strukturen meist unkompliziert, die laufenden Kosten überschaubar und der Verwaltungsaufwand geringer als bei größeren Unternehmen.
➡️ Was ist der Unterschied zwischen Kleingewerbe und Kleinunternehmer*in?
Rund um kleine Unternehmen werden jedoch mehrere ähnliche Begriffe verwendet, die leicht verwechselt werden können – insbesondere Kleinunternehmen, Kleingewerbe und die Kleinunternehmerregelung. Tatsächlich beschreiben sie unterschiedliche Dinge.
Begriff | Bedeutung |
|---|
| Allgemeiner Begriff für ein kleines Unternehmen mit überschaubarem Umfang. Der Begriff ist rechtlich nicht eindeutig definiert und wird häufig als Sammelbezeichnung verwendet. |
| Ein Gewerbebetrieb, der nicht als kaufmännischer Geschäftsbetrieb gilt und daher nicht ins Handelsregister eingetragen werden muss. |
| Eine steuerliche Regelung im Umsatzsteuerrecht. Wenn Ihr Umsatz bestimmte Grenzen nicht überschreitet, können Sie von der Umsatzsteuer befreit sein. |
Gut zu wissen: Die Kleinunternehmerregelung betrifft ausschließlich die Umsatzsteuer. Auch wenn Sie diese Regelung nutzen, bleibt Ihr Unternehmen rechtlich beispielsweise ein Einzelunternehmen oder Kleingewerbe.
Voraussetzungen: Wer kann ein Kleinunternehmen gründen?
Grundsätzlich kann fast jede geschäftsfähige Person in Deutschland ein Kleinunternehmen gründen. Es gibt keine speziellen Voraussetzungen, die ausschließlich für Kleinunternehmen gelten. Wichtig ist jedoch, dass Sie die allgemeinen rechtlichen Anforderungen für eine selbstständige Tätigkeit erfüllen.
Dazu gehören insbesondere folgende Punkte:
Volljährigkeit und Geschäftsfähigkeit: Sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein und rechtlich in der Lage sein, Verträge abzuschließen.
Gegebenenfalls erforderliche Genehmigungen: In einigen Branchen benötigen Sie eine besondere Erlaubnis oder Qualifikation, zum Beispiel im Handwerk oder in der Gastronomie.
Anmeldung Ihrer Tätigkeit: Gewerbliche Tätigkeiten müssen beim zuständigen Gewerbeamt angemeldet werden. Freiberufliche Tätigkeiten melden Sie direkt beim Finanzamt an.
Steuerliche Registrierung: Nach der Anmeldung erhalten Sie vom Finanzamt einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, über den Ihr Unternehmen steuerlich registriert wird.
Viele Gründer*innen starten ihr Kleinunternehmen außerdem nebenberuflich, also parallel zu einer festen Anstellung. In den meisten Fällen ist das erlaubt. Es kann jedoch sinnvoll sein, Ihre*n Arbeitgeber*in zu informieren oder einen Blick in Ihren Arbeitsvertrag zu werfen, um mögliche Einschränkungen zu prüfen.
Kleinunternehmen gründen: Schritt für Schritt erklärt
Wenn Sie ein Kleinunternehmen gründen möchten, lohnt es sich, den Prozess strukturiert anzugehen. Die folgenden Schritte geben Ihnen eine Orientierung, welche Entscheidungen und formalen Aufgaben auf dem Weg zur Selbstständigkeit typischerweise anstehen.
➡️ Schritt 1: Geschäftsidee entwickeln und Businessplan erstellen
Der erste Schritt auf dem Weg zum eigenen Kleinunternehmen ist, eine solide Geschäftsidee zu entwickeln. Überlegen Sie, welches Angebot Sie auf den Markt bringen möchten und welchen Mehrwert Sie Ihrer Zielgruppe bieten können.
Hilfreich ist es, sich dabei einige grundlegende Fragen zu stellen:
Welches Produkt oder welche Dienstleistung möchten Sie anbieten?
Welche Zielgruppe möchten Sie ansprechen?
Welches Problem lösen Sie für Ihre Kund*innen?
Wie unterscheidet sich Ihr Angebot von bestehenden Lösungen am Markt?
Sobald Ihre Idee konkreter wird, lohnt es sich, Ihre Planung in einem Businessplan festzuhalten. Darin beschreiben Sie unter anderem Ihr Geschäftsmodell, Ihre Zielgruppe, mögliche Einnahmen und erwartete Kosten. Wie Sie dabei vorgehen können, erfahren Sie in unserem Leitfaden zur Erstellung eines Businessplans.
➡️ Schritt 2: Die passende Rechtsform wählen
Auch wenn der Begriff „Kleinunternehmen“ häufig verwendet wird, handelt es sich dabei, wie weiter oben bereits erwähnt, nicht um eine eigene Rechtsform. In vielen Fällen starten Gründer*innen als Einzelunternehmen. Wenn mehrere Personen gemeinsam gründen, kommt beispielsweise eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) infrage.
Welche Rechtsform am besten zu Ihrem Vorhaben passt, hängt unter anderem von Faktoren wie Haftung, Organisation und steuerlicher Behandlung ab.
➡️ Schritt 3: Gewerbe anmelden oder Tätigkeit beim Finanzamt melden
Im nächsten Schritt melden Sie Ihre Tätigkeit offiziell an. Wenn Sie ein Gewerbe betreiben, erfolgt die Anmeldung beim zuständigen Gewerbeamt Ihrer Stadt oder Gemeinde. Freiberufliche Tätigkeiten werden dagegen direkt beim Finanzamt gemeldet.
Nach der Anmeldung werden in der Regel auch weitere Stellen automatisch informiert, etwa das Finanzamt oder bei Gewerbebetrieben die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer.
➡️ Schritt 4: Steuerliche Registrierung beim Finanzamt
Nach der Anmeldung Ihrer Tätigkeit erhalten Sie vom Finanzamt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Darüber werden wichtige Informationen zu Ihrem Unternehmen abgefragt, zum Beispiel Ihre geplanten Umsätze und die Art Ihrer Tätigkeit.
In diesem Zusammenhang entscheiden viele Gründer*innen auch, ob sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen möchten.
➡️ Schritt 5: Finanzen organisieren und Geschäftskonto eröffnen
Sobald Ihr Unternehmen offiziell angemeldet ist, sollten Sie Ihre geschäftlichen Finanzen klar von Ihren privaten Ausgaben trennen. Ein separates Geschäftskonto hilft dabei, Einnahmen und Ausgaben übersichtlich zu verwalten und erleichtert später auch Buchhaltung und Steuererklärung.
Mit dem kostenlosen Geschäftskonto für Kleinunternehmer*innen von Tide können Sie Ihre Finanzen von Anfang an strukturiert organisieren.
Welche Kosten entstehen bei der Gründung eines Kleinunternehmens?
Die gute Nachricht: Ein Kleinunternehmen lässt sich oft mit vergleichsweise geringen Startkosten gründen, besonders dann, wenn Sie Dienstleistungen anbieten oder zunächst nebenberuflich starten. Dennoch sollten Sie einige typische Ausgaben von Anfang an einplanen.
Zu den möglichen Kosten gehören zum Beispiel:
Gewerbeanmeldung: Die Anmeldung beim Gewerbeamt kostet je nach Stadt oder Gemeinde meist zwischen etwa 20 und 60 Euro.
Genehmigungen oder Einträge: In bestimmten Branchen können zusätzliche Kosten entstehen, etwa für spezielle Erlaubnisse oder Registereinträge.
Ausstattung und Arbeitsmittel: Je nach Geschäftsidee benötigen Sie möglicherweise Software, Geräte, Materialien oder eine eigene Website.
Versicherungen: Einige Selbstständige entscheiden sich für zusätzliche Absicherungen, zum Beispiel eine Betriebshaftpflichtversicherung. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel „Welche Versicherungen für Selbstständige wichtig sind (und welche Pflicht)“.
Buchhaltung und Verwaltung: Auch Tools für Buchhaltung, Rechnungsstellung oder Steuerberatung können laufende Kosten verursachen.
Welche Kosten tatsächlich anfallen, hängt stark von Ihrer Geschäftsidee und Branche ab. Wer ein digitales oder dienstleistungsbasiertes Geschäftsmodell startet, kann häufig mit deutlich geringeren Anfangsinvestitionen beginnen als bei einem stationären Geschäft.
Steuern und Buchhaltung beim Kleinunternehmen
Auch wenn ein Kleinunternehmen meist überschaubar strukturiert ist, müssen Gründer*innen einige steuerliche und organisatorische Pflichten beachten. Dazu gehört vor allem, Ihre Einnahmen und Ausgaben korrekt zu dokumentieren und die entsprechenden Steuererklärungen fristgerecht einzureichen.
Viele Gründer*innen nutzen außerdem die Kleinunternehmerregelung. Diese steuerliche Regelung können Sie in Anspruch nehmen, wenn Ihr Umsatz im vergangenen Jahr nicht über 25.000 Euro lag und im laufenden Jahr voraussichtlich 100.000 Euro nicht überschreitet. In diesem Fall müssen Sie auf Ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen. Im Gegenzug können Sie jedoch auch keine Vorsteuer geltend machen.
Unabhängig davon ist eine saubere Buchhaltung wichtig, um den Überblick über Ihre Finanzen zu behalten und Ihre Steuerpflichten zu erfüllen. Für viele kleinere Unternehmen reicht eine sogenannte Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) aus, bei der Sie Ihre Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellen.
Wenn Sie sich intensiver mit diesen Themen beschäftigen möchten, helfen Ihnen auch diese Leitfäden:
Welche Förderungen gibt es für Gründer*innen?
Wer ein Kleinunternehmen gründet, muss den Weg in die Selbstständigkeit nicht allein gehen. In Deutschland gibt es verschiedene Programme und Beratungsangebote, die Gründer*innen finanziell oder organisatorisch unterstützen können.
Eine bekannte Unterstützung ist zum Beispiel der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit. Dieses Förderprogramm richtet sich an Personen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus ein Unternehmen gründen und während der Startphase finanzielle Unterstützung benötigen.
Darüber hinaus bieten viele Bundesländer und regionale Institutionen weitere Förderprogramme, Beratungsangebote oder Gründungsnetzwerke an. Welche Möglichkeiten für Sie in Frage kommen, hängt unter anderem von Ihrer persönlichen Situation und Ihrem Geschäftsmodell ab. Sollte es mit der Förderung nicht klappen, hilft Ihnen auch unser Leitfaden, wie Sie einen Kredit für Existenzgründer*innen ohne Eigenkapital bekommen.
Pro-Tipp: Wenn Sie herausfinden möchten, welche Fördermöglichkeiten für Ihr Vorhaben infrage kommen, lohnt sich ein Blick auf die Website Ihrer regionalen Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer (HWK). Auch viele Gründungsberatungen der Bundesländer und kommunale Wirtschaftsförderungen bieten kostenlose Informationen zu Förderprogrammen und Beratungsangeboten für Gründer*innen.
Checkliste: Kleinunternehmen gründen
Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei, die wichtigsten Schritte zur Gründung eines Kleinunternehmens im Blick zu behalten:
Geschäftsidee entwickeln: Überlegen Sie, welches Produkt oder welche Dienstleistung Sie anbieten möchten und welche Zielgruppe Sie erreichen wollen.
Businessplan erstellen: Halten Sie Ihr Geschäftsmodell, Ihre Zielgruppe sowie geplante Einnahmen und Kosten strukturiert fest.
Passende Rechtsform wählen: In vielen Fällen starten Gründer*innen als Einzelunternehmen oder bei mehreren Beteiligten als GbR.
Tätigkeit anmelden: Melden Sie Ihr Gewerbe beim Gewerbeamt an oder informieren Sie das Finanzamt über Ihre freiberufliche Tätigkeit.
Steuerliche Registrierung durchführen: Füllen Sie den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus und klären Sie, ob Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen möchten.
Finanzen organisieren: Richten Sie ein separates Geschäftskonto ein und schaffen Sie eine klare Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Einnahmen und Ausgaben.
Buchhaltung vorbereiten: Sorgen Sie dafür, dass Sie Ihre Einnahmen und Ausgaben von Anfang an sauber dokumentieren.
Gut zu wissen: Sie müssen nicht jeden Schritt sofort perfekt umsetzen. Viele Gründer*innen entwickeln ihr Kleinunternehmen Schritt für Schritt weiter. Wichtig ist vor allem, dass Sie die grundlegenden formalen Anforderungen erfüllen und Ihre Finanzen von Anfang an gut organisieren.
Fazit: Ein Kleinunternehmen zu gründen ist oft einfacher als gedacht
Der Weg zum eigenen Kleinunternehmen ist in vielen Fällen weniger kompliziert, als viele angehende Gründer*innen vermuten. Mit einer klaren Geschäftsidee, der richtigen Anmeldung und einer guten Organisation Ihrer Finanzen schaffen Sie eine solide Grundlage für den Start in die Selbstständigkeit.
Entscheidend ist, sich frühzeitig mit den wichtigsten Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen, etwa mit steuerlichen Fragen, organisatorischen Anforderungen und möglichen Förderungen. Wenn Sie sich gut vorbereiten und strukturiert vorgehen, können Sie Ihr Kleinunternehmen Schritt für Schritt aufbauen und weiterentwickeln.
Wie geht es weiter?
Wenn Sie jetzt loslegen möchten, helfen Ihnen diese nächsten Schritte dabei, strukturiert vorzugehen:
Schärfen Sie Ihre Geschäftsidee: Definieren Sie Ihr Angebot so konkret wie möglich, inklusive Zielgruppe, Nutzenversprechen und erster Preisidee. Je klarer Sie wissen, was Sie anbieten (und für wen), desto leichter fallen Ihnen die nächsten Entscheidungen.
Verschaffen Sie sich Klarheit über Ihre Anforderungen: Prüfen Sie, welche formalen Schritte und Pflichten auf Sie zutreffen, zum Beispiel Gewerbeanmeldung oder Freiberuflichkeit, steuerliche Registrierung und die Frage, ob die Kleinunternehmerregelung für Sie sinnvoll ist. Legen Sie sich dafür eine kurze Liste an, damit Sie nichts übersehen.
Arbeiten Sie die Gründung Schritt für Schritt ab: Nutzen Sie die Schritte in diesem Leitfaden als Orientierung und konzentrieren Sie sich zuerst auf das Wesentliche: Rechtsform festlegen, Tätigkeit anmelden, steuerlich registrieren und Ihre Finanzen sauber organisieren. Alles Weitere können Sie im Laufe der Zeit ergänzen, sobald Ihr Kleinunternehmen wächst.
Mit einer klaren Idee, guter Vorbereitung und den richtigen Schritten legen Sie den Grundstein für Ihr eigenes erfolgreiches Unternehmen.